Warum vergiftet das Tragen von Pelzen und Leder Menschen und Gewässer?
Die Menschen, die in Gerbereien arbeiten oder in ihrer Nähe leben, leiden.
Viele von ihnen sterben an Krebs, ausgelöst durch giftige Chemikalien, die verwendet werden,
um das Leder zu bearbeiten und zu färben.
Die Zentren zur Kontrolle und Verhinderung von Krankheiten in den Vereinigten Staaten fanden heraus,
dass Leukämie unter den Anwohnern einer Gegend nahe einer Gerberei in Kentucky fünf Mal so häufig vorkam,
wie im nationalen Durchschnitt. Arsen, eine häufig in Gerbereien verwendete Chemikalie,
wird schon lange mit Lungenkrebs unter den Arbeitern, die ihm regelmäßig ausgesetzt sind,
in Verbindung gebracht. Studien unter Gerbereiarbeitern in Schweden und Italien ergaben,
dass das Krebsrisiko „zwischen 20% und 25% höher als erwartet“ war.
Unter dem Tragen von Leder leiden Tiere, die Umwelt und die Menschen, die es herstellen.
Die einzigen, die einen Nutzen daraus ziehen, sind die Menschen, die aus dem Leid und der Misere Anderer Profit schlagen.
Für "Markenschuhe so günstig" bezahlen auch zwei Millionen indische Gerbereiarbeiter.
(Gerben bedeutet die Verarbeitung von Tierhäuten zu Leder oder Pelz)
Tag für Tag sind sie 175 verschiedenen Chemikalien, Salzen und Säuren ausgesetzt,
ohne ausreichende Schutzkleidung. Hinzu kommen verheerende Luft- und Wasserverschmutzungen,
Krankheiten sowie die Entwertung umliegender landwirtschaftlicher Flächen.
Seit über 30 Jahren produzieren diese indischen Gerbereien täglich 30 Millionen Liter hochgiftige Abwässer,
die unkontrolliert ins Umland abgelassen werden. Der Fluss Palar existiert nur noch dem Namen nach,
das Flussbett ist verlandet und vergiftet. Inzwischen gibt es, dank des Protests der einheimischen Bevölkerung,
einige Gemeinschaftskläranlagen. Und die wenigen großen Gerbereien haben ihre eigene Kläranlage.
Diese Anlagen sind jedoch nur in der Lage, organische und biologische Abfälle zu verarbeiten.
Die Überreste, etwa Klärschlamme, werden gesammelt und irgendwo deponiert.
In einer Gegend, in der die Menschen vor allem von der Landwirtschaft leben,
haben so in 300 Dörfern 40.000 Familien ihren Lebensunterhalt verloren.
Nicht einmal sauberes Trinkwasser bleibt ihnen: Die Dörfer werden per Tanklastwagen mit Trinkwasser versorgt,
das wiederum dem Grundwasser entnommen wird. Wissenschaftler haben darin große Mengen des hochtoxischen Chrom III
nachgewiesen.
Zum Waschen müssen die Menschen Wasser aus den vergifteten Teichen benutzen. Ihre Wasserkrüge sind mit einem schwarzen,
giftigen Belag überzogen. Chronische Hautkrankheiten sind weit verbreitet. Kühe und Ziege sterben,
wenn sie von dem Wasser trinken.
In der Gerberei jedoch herrschen andere Zustände, wie das ARD-Magazin "Report Mainz" gestern gezeigt hat:
Arbeiter stehen in Gerbbrühe, ohne Wasser abweisende Kleidung, Arbeitshandschuhe und Gummistiefel.
Atemschutzmasken gegen den beißenden Gestank gibt es nicht. Überall stehen Fässer mit Ameisensäure und Relugan 50,
einem Gerbmittel, das in Deutschland nicht mehr zugelassen ist. Die Substanzen stammen von der BASF-Niederlassung in Bombay.
Angesichts der Tatsache, dass für die Verarbeitung von einem Kilo Leder durchschnittlich 500 Gramm Chemikalien
verbraucht werden, nimmt es nicht wunder, dass fast jeder Gerbereiarbeiter über Asthma,
Durchfall und Hautkrankheiten klagt.
Den durchschnittlichen Monatslohn von 2.000 Rupien (umgerechnet 95 Mark) nehmen sie mangels Alternative in Kauf.
Quelle:
www.taz.de/Gift ist im Schuh