Warum rettet die richtige Blumenerde
Tiere und ihren Lebensraum?
Torf gehört ins Moor -
Torfnutzung zerstört einzigartige Lebensräume – dabei gibt es längst Alternativen
von Werner Girgert
Intakte torfbildende Moore sind rar geworden, seit der Mensch vor Jahrhunderten mit ihrer Entwässerung begonnen hat,
um die gewonnenen Flächen land- und forstwirtschaftlich, für den Gartenbau oder zur Torfgewinnung zu nutzen.
Mehr als 60 Prozent aller in Europa einst vorhandenen Moore wurden auf diese Weise bereits zerstört.
In Niedersachsen, einem der moorreichsten Bundesländer, ist ein Viertel aller Hochmoorflächen dem Torfabbau
zum Opfer gefallen. Rund zehn Millionen Kubikmeter Torf werden allein in Deutschland jedes Jahr verbraucht.
Zwei Drittel davon kommen im Erwerbsgartenbau zur Verbesserung der Böden und zur Pflanzenanzucht zum Einsatz,
der Rest bei Hobbygärtnern. Berufs- wie Freizeitgärtner schätzen Torf nicht nur wegen seiner Pflanzenverträglichkeit,
sondern auch, weil er große Mengen Wasser über längere Zeit speichern und wieder an die Pflanzen abgeben kann.
Wissenschaftler und Naturschützer dagegen sehen die Verwendung von Torf in Blumentöpfen und Gartenbeeten mit Sorge.
Sollte der Torfabbau in Deutschland im gleichen Tempo weiter gehen, so warnen sie, dürften die Vorräte spätestens
in 50 Jahren erschöpft und eines der artenreichsten Ökosysteme zerstört sein. Im Moor sind Tiere und Pflanzen zu Hause,
die sich perfekt an das Leben zwischen Wasser und Land angepasst haben. Schilfrohr, Rohrkolben und Binsen sprießen
in den nährstoffreichen Niedermooren. Auch Erlen, Birken, Weiden, Eschen und Pappeln macht der nasse Untergrund nichts aus.
Die feuchte Glockenheide und andere Zwergsträucher wie die Gemeine Moosbeere, die Weiße Schnabelbinse, der Sumpfporst,
der Gagelstrauch und die Lorbeerrose sind hier heimisch.
Wichtiger Rückzugsraum
Vielen bedrohten Tierarten dienen Moore als Rückzugsgebiete. Nahezu alle Amphibienarten sind dort anzutreffen.
Seltene Libellen wie die Torf-Mosaikjungfer und die Kleine Moosjungfer tummeln sich zwischen Gräsern und Schilf.
Gefährdete Vogelarten wie Goldregenpfeifer, Kornweihe und Bekassine brüten im Moor. Eine reich gedeckte Tafel
finden in unberührten Mooren auch Sumpfrohrsänger, Wachtelkönig, Wiesenpieper, Graugänse und Kraniche.
Moore sind nicht nur einzigartige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Sie leisten auch einen wichtigen Beitrag
zum Klimaschutz, denn sie speichern große Mengen Kohlenstoff. Doch sobald das Moor trocken gelegt wird,
ist nicht nur die biologische Vielfalt in Gefahr. Wird dem Boden das Wasser entzogen, dringt Sauerstoff
in die obersten Torfschichten ein. Mikroorganismen zersetzen den Torf und wandeln dabei den eingelagerten
Kohlenstoff in klimaschädliches Kohlendioxid um.
Überlegene Ersatzstoffe
Aus Sicht vieler Gartenbauexperten ließe sich die Zerstörung ökologisch wertvoller Moorflächen zur Torfgewinnung
weitgehend vermeiden. Denn die Erfahrung zeigt, dass Torf keineswegs das ideale Mittel zur Bodenverbesserung ist.
Der Handel bietet inzwischen eine Vielzahl von Ersatzstoffen mit teilweise deutlich besseren Eigenschaften an.
Wer seinen Garten umweltbewusst bewirtschaften will, sollte deshalb beim Kauf von Blumenerde auf die Angaben auf
der Verpackungsrückseite achten und am besten auf torfreduzierte oder vollständig torffreie Produkte zurückgreifen:
Eine preiswerte und naturverträgliche, dabei wirkungsvollere Alternative zum Torf ist Kompost, der im eigenen Garten
anfällt oder in gewerblichen und kommunalen Kompostierungsanlagen angeboten wird. Gartenkompost ist erheblich reicher
an Nährstoffen als Torf. Der Zusatz von Düngemitteln wird dadurch überflüssig. Außerdem lässt sich mit Kompost die
Bodenqualität wesentlich länger verbessern als mit Torf. Noch bessere Eigenschaften als der Gartenkompost weisen
Grüngut- und Bioabfallkomposte aus Kompostierungsanlagen auf.
Beim Rindenhumus handelt es sich um zerkleinerte und kompostierte Rinde. Man erhält ihn mit oder ohne Zusatz
von Nährstoffen. Auch der Rindenhumus verbessert im Vergleich zum Torf die Qualität des Bodens über einen deutlich
längeren Zeitraum. Rindenhumus sollte man jedoch nicht mit Rindenmulch verwechseln, der aus nur grob zerkleinerter
und nicht kompostierter Rinde besteht.
Holzfasern werden aus Sägeholzresten gewonnen. Da sie nur einen geringen natürlichen Nährstoffgehalt aufweisen,
sind sie häufig mit zusätzlichen Düngemitteln angereichert. Ähnlich wie Torf verbessern sie die Bodenqualität
jedoch nur für relativ kurze Zeit.
Kokosfaserneignen sich hervorragend zur Pflanzenaufzucht. Sie haben ebenso wie Holzfasern eine ähnliche
Konsistenz wie Torf und können Wasser gut speichern. Da sie sich nur langsam zersetzen, sind sie geeignet,
die Bodenqualität über einen längeren Zeitraum zu verbessern.
Inzwischen werden auch Chinaschilf- und Hanffasern häufiger als Torfersatzstoffe eingesetzt. Chinaschilffasern
eignen sich ebenfalls gut zur Wasserspeicherung. Hanffasern haben sich besonders in Mischungen mit Kompost bewährt.
Komposte, Rindenhumus sowie Holz- und Kokosfasern können sowohl zur Bodenverbesserung als auch in Substraten
verwendet werden, in denen Topf- und Kübelpflanzen herangezogen werden. Der entscheidende Nachteil von Torf,
dass er kein Wasser mehr speichern kann, sobald er einmal ausgetrocknet ist, tritt bei den Ersatzstoffen nicht auf.
Allerdings können sie Wasser nicht ganz so lange speichern wie Torf. Deshalb müssen die Pflanzen öfter gegossen werden.
Auf Torf zu verzichten, ist also ganz einfach und hilft, einen naturnahen Lebensraum zu bewahren.
Quelle:
www.nabu.de/Torf gehört ins Moor
Hier eine Liste torffreier Blumenerde:
www.bundhannover.de/torffreie-blumenerde