Schüler für Tiere e.V. hilft bei der Rettung von 6 sog. „Weihnachtsgänsen“

Hier die Geschichte von Natalie:

Ungefähr im Sommer sah ich eine riesige Herde Gänse auf einer Wiese grasen. Die Gänse gehörten einem Bauern bei mir in der Nähe. Die ganze Herde saß, immer wenn ich sie sah, ganz dicht beieinander ähnlich einer großen Familie. Keine einzige entfernte sich aus dieser großen Gruppe.

So schön dies für mich auch aussah, es machte mich gleichzeitig auch wütend und traurig, da sich diese Herde je näher die Weihnachtszeit rückte nach und nach auflösen würde.

Die Gänse durften also nur ein paar Monate alt werden. Das ist grausam, wenn man bedenkt, dass eine Gans mindestens 30-40 Jahre alt werden kann.
Es schien mir so als wenn diese Tiere im falschen Körper geboren waren, und darum ihr Schicksal von Anfang an besiegelt war. Das wird für mich nie einen Sinn ergeben.

Es dauerte nicht lange da beschloss ich wenigstens einer Gans das Leben zu retten. Ich recherchierte nach dem Preis für eine sog. „Weihnachtsgans“. Gleichzeitig suchte ich nach einem sog. „Gnadenhof“, der bereit war eine Gans bei sich aufzunehmen und noch Platz für diese hatte.

Ich hatte erst keinen Erfolg einen geeigneten Gnadenhof zu finden, wo eine Gans auch gut geschützt vor Raubtieren leben kann. Ich wollte bis Weihnachten weiter suchen und hatte in der Woche vor Weihnachten Glück. Die Besitzer des Gnadenhofes „Melief“ fanden die Idee, eine Weihnachtsgans vor ihrem Schicksal als Weihnachtsbraten zu bewahren, sehr gut und boten mir einen Platz für sie auf Lebenszeit an.

Jetzt musste ich noch eine Gans finden. Ich recherchierte im Internet nach sog. „Weihnachtsgänsen“ und rief die Höfe die Weihnachtsgänse anboten an. Manche Höfe hatten nur noch tote Gänse, die sie schon geschlachtet hatten. Irgendwann hatte ich Erfolg. Der Bauer teilte mir mit er habe noch eine lebende Gans die übrig sei, und noch nicht reserviert war. Ich nahm die Gans sofort und vereinbarte den schnellsten Termin an dem ich die Gans bei dem Bauern abholte. Ich wies ihn darauf hin, dass es völlig egal ist wie schwer oder wie alt die Gans ist Hauptsache sie lebt!!!

Ich wusste 3 Gänse fühlen sich miteinander wohler und können ein kleines Rudel bilden wenn sie mögen.
Ich rief noch einen anderen Hof an und reservierte dort 2 Gänse. Jede Gans kostete unter 60€. Es war für mich keine Frage 1 Gans weniger zu holen aufgrund des Geldes. Wenn ich bedenke, dass ich für dieses Geld gleich 3 Leben retten konnte.

Später beschloss meine Mutter selbst für 2 weitere Gänse zu bezahlen. Das nahm ich dankend an und aus 3 Gänsen wurden 6 gerettete Leben.

Schüler für Tiere e.V. übernahm am Ende 3 der Gänse und finanzierte außerdem einen großen Teil der fahrtkosten.

Der Gänsetag war da. Wir nahmen 2 große Hundetransportboxen mit.
Ich freute mich über unseren „Ausflug“, war jedoch gleichermaßen etwas betrübt, weil mir klar war, dass ich alle Gänse, um sie zu „retten“ aus ihrer gewohnten Umgebung aber vor allem von ihren gewohnten Artgenossen sowie Familie trennen muss. Doch ich wusste in ihrem neuen Zuhause werden sie dies nicht noch einmal erleben. Das war für mich ein kleiner Trost.

Und da war sie unser erster Schützling. Aus dem Stall raus getragen gab sie Rufe von sich. Kein schöner Abschied von ihren Artgenossen, von ihrer Familie.
Aber wie kann Abschied in dem Zusammenhang schön sein?!

Die Gans war zunächst ganz ruhig und leise während der Autofahrt. Aber als wir schon ein paar Minuten unterwegs waren stieß sie Rufe aus. Sie schaute sehr konzentriert in die andere Transportbox, die noch leer war, rein. Es schien, als wenn sie nach sah ob ihre gewohnten Artgenossen aus ihrem Stall auch dabei waren. Wir sprachen mit ihr und beruhigten sie etwas. Ich dachte daran wie ich reagierte wenn mich fremde Leute eines Tages unvorbereitet mitnähmen, weg von meinen Freunden, weg von meiner Familie.

Wir machten einen kurzen „Zwischen-Stopp“ an einem Rastplatz. Ich beobachtete die Gans ein bisschen. Sie war ganz ruhig. Im nächsten Moment kullerte ihr eine große Träne aus dem Auge. Dieser kleine Augenblick berührte mich sehr. Welche Bedeutung auch immer diese eine Träne hatte…

Bei dem anderen Hof angekommen sah ich zwei niedrige Plastikboxen wo alle 5 Gänse untergebracht waren. Für ein Tier mit langem Hals wie bei der Gans sehr unangemessen. Ich war froh als alle 5 in unsere großzügigeren Transportboxen umgesetzt wurden.
Da war es wieder das innere Bedürfnis am liebsten alle mitzunehmen weil jede es verdiente, aber nicht zu können.

Zwei Gänschen gesellten wir zu unserer ersten Gans. Alle 3 vertrugen sich während der Rest der Fahrt vorbildlich. Die anderen 3 saßen genauso friedlich in unserer anderen Box.

Als ich während der Fahrt nach hinten schaute, zu den Transportboxen, wo mich immer mal 2 Äuglein ansahen machte es mich froh das Schicksal ganzer 6 Tiere verändert zu haben.
Da wir nun alle 6 Gänse bei uns hatten machten wir uns auf den Weg Richtung „neues Zuhause“ von unseren Gänsen.

Nach einer Weile kamen wir am Gnadenhof „Melief“ an. Wir wurden sehr nett von den Besitzern des Gnadenhofes empfangen. Auf die Frage hin ob die Fahrt mit den Tieren problemlos verlief, konnte ich dies nur bestätigen. Auch wenn die Tiere von unterschiedlichen Höfen stammten schienen sie schon während der Fahrt ein kleines Team gebildet zu haben, was zusammenhielt.

Jetzt waren es nur noch ein paar Meter bis die Gänschen endlich in ihren neuen Stall einziehen konnten. Sowie die Tür der ersten Transportbox aufging wanderte ganz neugierig unsere erste Gans aus der Box hinaus, streckte sich und breitete ihre Flügel aus. Die 2 anderen folgten ihr auf Anhieb. Die 3 in der anderen Box waren zunächst etwas zurückhaltend, wanderten dann aber sehr zielstrebig zum Rest der Gruppe.

Als ich in der Dämmerung viele andere Gänse sah, die dort lebten, freute ich mich darauf, wenn unsere Gänschen bald ein Teil dieser Herde waren. Und vor allem freute es mich, dass unsere Gänse dort endlich die Möglichkeit hatten zu schwimmen in einem großen Teich. Denn was die meisten von Gänsen nicht wissen ist, dass sie leidenschaftliche Schwimmer sind.

Ein artgerechtes Gänseleben erwartete hier unsere 6 Schützlinge zwischen verschiedensten Artgenossen wie Huhn, Schwein oder Kuh die hier ein neues Zuhause gefunden hatten, wo niemand etwas von ihnen erwartete „außer“ glücklich leben, (für mich selbst das schönste Weihnachtsgeschenk überhaupt)!!!

Hier leben die Gänse nun bis an ihr Lebensende: Hier geht es zur Facebookseite des Lebenshofes.

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