Schüler für Tiere Landau – Gruppenleiter Markus Klein – antwortet auf Rheinpfalzartikel

Ein `Verzicht`mit Mehrwert“ mit Leserbrief und erhält sofort Antwort von zuständigen Sportredakteur!

Eine in ihrer Freizeit(!) neben dem Studium so engagierte und wirklich praktisch handelnde Frau wie Aleksandra Keleman als „Social Media – Aktivistin“ zu bezeichnen, ist erstmal ein starkes Stück. Damit wurde sie unserer Meinung nach bereits in der Unterüberschrift diffamiert und diskreditiert. Frau Keleman ist weit über Social Media hinaus aktiv, sie zeigt interessierten Sportler*innen praktisch, wie sie sich gesünder ernähren können. Dabei setzt sie genau das um, was Herr Erbeldinger fordert, nämlich ein bewusstes Auseinandersetzen mit der Ernährung. Kein Mensch behauptet, sich einfach nur vegan zu ernähren sei gesünder und brächte viele Vorteile mit sich. Wenn wir den ganzen Tag Pommes und vegane Fleischersatzprodukte konsumieren, bringt es unserer Gesundheit im Endeffekt nichts. Ungesund ernähren können wir uns mit jeder Ernährungsform. Frau Keleman, die von den Autoren genannten Sportler*innen und die zahlreichen weiteren Sportler*innen aus der sehenswerten Netflix-Doku „The Game Changers“ wollen jedoch zeigen, dass entgegen der Mythen vegane Ernährung nichts mit Leistungseinbußen, Verzicht und Selbstkasteiung zu tun haben muss. Richtig geplant und vollwertig gibt sie den Menschen die Möglichkeit, sich selbst und der Mitwelt etwas Gutes zu tun und dabei immer noch leckeres Essen genießen zu können. Die gesundheitlichen Vorzüge der veganen Ernährung sind erstens durch Studien inzwischen gut untermauert (siehe z.B. die „China Study“) und zeigt, dass sie auch/gerade für Nicht-Sportler*innen eine Überlegung wert wäre, vor allem in der heutigen Zeit, in der Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs häufige Todesursachen sind. Zweitens ist es den Tieren egal, ob sie wegen höherem Gesundheitsbewusstsein, Umweltbewusstsein oder ethischen Überzeugungen nicht mehr sterben müssen.

Zu guter Letzt finden wir es erstaunlich, wie sehr sich der B12-Mythos hält. Zum einen wird es den Tieren in Pulverform dem Essen zugesetzt, weil diese selbst kein B12 produzieren, denn eigentlich wird es von Bakterien im Boden produziert. Da die Tiere aber kaum mehr draußen, sondern vorwiegend im Stall sind und kein Gras mit Erde daran mehr essen, erhalten sie auch kein natürliches B12, sondern nur noch synthetisches. Zum anderen wird unter den vegan lebenden Menschen immer wieder darauf verwiesen, dass es nötig ist, B12 zu supplementieren. Auch Frau Keleman verweist auf ihrer Webseite explizit darauf. Wie wäre es, wenn die Autoren als nächstes einen gut recherchierten Artikel über die Mythen veganer Ernährung schreiben und zu deren Richtigstellung beitragen, anstatt sie durch halbfertige Aussagen darüber weiter zu befeuern? Ungeachtet dessen, ob sie selbst eine vegane Ernährung/ Lebensweise gut oder schlecht finden, denn die differenzierte respektive objektive Information der Leserschaft darüber macht qualitativen Journalismus aus!

Für Schüler für Tiere Landau: Markus Klein

Antwort des Sportredaktuers:

Hallo Markus,
danke für deine E-Mail. Ich bin mal beim Du und lade dich gern dazu ein. Kurz zu mir: Ich wurde 1996 aus ethischen Gründen (Tiere) Vegetarier und lebe seit einigen Jahren wie meine Frau auch vegan. Leben in dem Sinne, dass wir auch versuchen, Lederschuhe und ähnliches zu vermeiden.

Mit Aleks Kelemann bin ich in Kontakt, sie hat rein gar nichts gegen den Begriff Social Media Aktivistin.
Im Text ist ihre segensreiche Arbeit mit den Sportlern benannt und erklärt – ich sehe es wie Du, sehr gut und klasse was sie macht. Haben wir auch nicht in Zweifel gezogen, eher im Gegenteil.

Die Meinungen der Ernährungswissenschaftler teile auch ich persönlich nur zum Teil. Zum Beispiel wurde bei mir,, trotz einer ausgewogenen und vor allem sehr durchdachten Ernährung wie ich denke, ein B12-Mangel festgestellt. Ob man das verallgemeinern sollte, weiß ich nicht. Allerdings gebietet es der von euch völlig zu Recht geforderte differenzierte Journalismus auch, andere Stimmen zu Wort kommen zu lassen. Ärzte – das ist meine persönliche Erfahrung – stehen (leider) oft sehr kritisch dem Thema vegane Ernährung gegenüber. Ich persönlich finde das auch schade, andererseits haben sie halt auch Gründe dafür. Das sollte man auch respektieren.

Ich denke, wir haben in dem Artikel auch deutlich gemacht, dass es zwei Gruppen von Sportlerinnen und Sportlern gibt. Die, die sich ausgesundheitlichen Gründen (Serena Williams) vegan ernähren und die, die es aus ethischen Gründen tun (Jacqueline Otchere oder Jessica von Bredow-Werndl). Ich persönlich hege große Sympathie für die zweite Gruppe.

Über Eure Gruppe Schüler für Tiere würde ich gern mehr erfahren – gibt es dazu etwas im Internet?
Ich finde euer Engagement klasse und hoffe, etwas zur Relativierung eurer Kritik beigetragen zu haben. Denn Du kannst sicher sein: Wir sind da auf einer Seite … Allerdings ist die Tageszeitung nicht ein Magazin wie „Kochen ohne Knochen“. Ich bin sicher, dass der innerhalb der Fleischesser-Lobby (so nenne ich sie mal) der Artikel gar nicht gut angekommen ist…

Und nochmalige Antwort von Markus:

Hallo Oliver,
Von mir aus sehr gern mit Du. Damit fühl ich mich ohnehin deutlich wohler.

Vielen Dank für den Einblick in dein Privatleben. Ich habe vor 6 Jahren den Schritt zum Vegetarier gemacht und ein halbes Jahr darauf den zum vegan lebenden Menschen.

Was den Begriff „Social Media Aktivistin“ betrifft, so löst dieser bei mir bestimmte Assoziationen aus, ähnlich wie „Tellerveganer“. Der Begriff ist für mich ein Äquivalent zum Begriff „Tastaturaktivist“, der/die sich online für alles Mögliche stark macht, im echten Leben jedoch in nichts dergleichen Zeit investiert. Ich kann mir vorstellen, dass andere Menschen ähnliche Assoziationen haben. Solange Keleman selbst mit dem Begriff cool ist, stört es mich nicht weiter.

B12 ist ein allgemeines Problem in der Ernährung und eben nicht nur für uns vegan Lebende. Weil es auch nicht nur mit der Ernährung zu tun hat. So gibt es Menschen, deren Schleimhäute einfach nicht in der Lage sind, B12 aus der Nahrung aufzunehmen und es sich darum spritzen müssen.

Die Meinung der Ärzte beruht oftmals auf gelernten Dingen, die aber lang überholt sind. So warnt unsere DGE, im Gegensatz zu ihrem amerikanischen Äquivalent, immer noch vor veganer Ernährung bei Kindern und Schwangeren. Die Ernährungspyramide ist seit Jahrzehnten die gleiche und in den Universitäten wird das Thema vegetarisch und vegan unzureichend bis gar nicht thematisiert. Dies weiß ich aus Gesprächen mit befreundeten Medizin-Studierenden. Da sind andere teils besser drüber informiert, weil sie Fortbildungen zur Ernährungsberatung machen.

Dann haben wir noch das Problem der Medien, die bei jedem falsch, ich betone falsch, vegan ernährten Kind es so darstellen, als sei die vegane Ernährung das Problem gewesen. Wenn ein Kind nur mit Fleisch und Gemüsebrühe gefüttert würde und daran stürbe, würde auch keine Zeitung schreiben „Kind stirbt an Mischkost“, oder? Dann würde da stehen „stirbt an Mangelernährung“. Das Framing in der Öffentlichkeit ist so ausgerichtet, dass wir immer die sind, die unsere Lebensweise erklären und verteidigen müssen. Aber damit schweife ich gerade etwas ab, entschuldige bitte.

Zurück zum Thema: Natürlich gibt es beide Gruppen an Sportler*innen (ethische und rein gesundheitliche Veganer*innen) und es ist gut, dass dies ausreichend abgebildet wurde. Für mich war hier nur die Gewichtung etwas fragwürdig. Auf der einen Seite haben wir die Sportler*innen, die sich vegan ernähren und auf der anderen Seite die kritischen Experten, womit ein Bild suggeriert werden könnte, dass diese Sportler trotz ärztlichem Rat ihre Gesundheit riskieren. Ein weiterer Experte, welcher der veganen Ernährung gegenüber aufgeschlossen ist, hätte das Bild schon sehr abgerundet in meinen Augen. Eben darum habe ich ja die „China Study“ und den Film „The Game Changers“ ins Feld geführt.

Ja, die „Fleischesser-Lobby“ wird daran sicher einiges zu knabbern haben. Gegenwind wird es immer geben. Ich hoffe, du betrachtest meinen Leserbrief nicht als solchen, sondern als konstruktive Kritik. Ausgehend von deiner Antwort gehe ich aber davon mal aus.

Zum Verein „Schüler für Tiere e.V.“ lässt sich auf https://www.schueler-fuer-tiere.de/ einiges nachlesen: Wer den Verein gegründet hat, wo wir überall zu finden sind (nicht nur in Deutschland, was für Aktionen wir so machen etc. Besonders stolz sind wir über die dieses Jahr angebotene Fortbildung zum Thema „Mitweltschutz“, Informationen dazu findest du auf https://mitweltschutz.de/.

Allgemein sind wir ein Verein, der sich nicht nur für die Tiere einsetzt, sondern für alle Lebewesen und die Umwelt bzw. Mitwelt. Wir sammeln Spenden für Tier- und Kinderheime, wir haben Deckel gegen Polio gesammelt ( in rauen Mengen), wir sammeln immer wieder Decken etc. für Obdachlose und diese Liste lässt sich noch sehr lange fortführen. Ich hoffe, du wirst auf den Seiten fündig, ansonsten kannst du dich sehr gerne nochmal bei mir melden.

Mit freundlichen Grüßen,
Markus Klein



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